Enger Radweg mit vielen Radfahrenden

Viel zu eng: Radweg an der Ludwigstraße © ADFC/Reiner Pohl

München fällt beim Fahrradklima-Test weiter zurück

 

Die Landeshauptstadt bekommt von den Münchner Radfahrenden schon wieder eine miese Zeugnisnote im Fach Radverkehr und rutscht im bundesweiten Ranking um einen Platz ab. Das zeigen die Ergebnisse des am Montag, 24.4., vorgestellten Fahrradklima-Tests.

 

Im Herbst 2022 waren bundesweit alle Radler:innen aufgerufen, die Fahrradfreundlichkeit ihrer Stadt oder Gemeinde zu bewerten. Ergänzend zu den 27 Standardfragen zur Bewertung der Radverkehrsbedingungen wurden diesmal fünf Zusatzfragen zum Thema „Radfahren im ländlichen Raum“ gestellt.

Ergebnisse der Landeshauptstadt München
Bundesweit haben rund 245.000 Menschen am Fahrradklima-Test 2022 teilgenommen. In München gaben 3915 Radler:innen ihr Votum ab – 760 mehr als 2020. Die Landeshauptstadt fällt mit der konstant schlechten Gesamtnote von 3,9 von Platz 4 (2020: Gesamtnote 3,8) auf Platz 5 des bundesweiten Rankings der 14 deutschen Großstädte mit über 500.000 Einwohnern zurück.

Umsetzung des Radentscheids deutlich zu langsam
Die Ursachen für das wiederholt schlechte Abschneiden der Landeshauptstadt München liegen nach Einschätzung des ADFC München auf der Hand: Münchens Radler:innen sind zunehmend enttäuscht und unzufrieden, dass es trotz des erfolgreichen Radentscheids im Jahr 2019 in der Landeshauptstadt in puncto Radverkehr nur quälend langsam vorangeht. Sichtbare Ergebnisse auf der Straße können Radfahrende trotz zahlreicher beschlossener Maßnahmen bislang kaum oder nur als wenige Meter langes Bruchstück entdecken.

Ungelöstes Dauerproblem: zu schmale und zugeparkte Radwege
Knapp 70 Prozent der Befragten fühlen sich denn auch nach wie vor nicht sicher beim Radfahren in München. 88 Prozent der Teilnehmer:innen bemängeln weiterhin die Breite der Radwege (Note 5,0), 83 Prozent beklagen die fehlende Kontrolle von Falschparkenden auf Radwegen (Note 5,0). Diese Punkte wurden schon im letzten ADFC-Fahrradklima-Test 2020 massiv kritisiert. Auch die schlecht abgestimmten Ampelschaltungen (Note 4,8) und die häufigen Konflikte mit Autofahrenden (Note 4,7) sorgen bei mehr als 80 Prozent der Münchner:innen erneut für heftigen Verdruss.

Das als unangenehm empfundene Fahren mitten im Kfz-Verkehr (Note 4,5) monieren 78 Prozent. Und die schwierige Führung des Radverkehrs im Baustellenbereich (Note 4,5) stellt für 75 Prozent ein Problem dar. Beides Kritikpunkte, bei denen Münchens Radler:innen keine Verbesserungen in den letzten beiden Jahren feststellen konnten. Darüber hinaus fehlt es nach Ansicht von 78 Prozent der Radfahrenden immer noch an einem attraktiven Angebot zur Fahrradmitnahme im ÖPNV (Note 4,8).

Rare Pluspunkte
Immerhin 76 Prozent freuen sich über die für Radfahrende in Gegenrichtung geöffneten Einbahnstraßen (Note 2,5). Und von 68 Prozent positiv bewertet wird das Angebot an Leihrädern (Note 2,4). 67 Prozent nehmen positiv wahr, dass Jung und Alt in München radeln (Note 2,9). 63 Prozent sind zufrieden mit der Erreichbarkeit des Stadtzentrums (Note 3,0), und 62 Prozent sind zudem überzeugt, auf dem Rad zügig voranzukommen (Note 3,1).

Nachbarorte nicht sicher erreichbar
Bei den Zusatzfragen zum „Radfahren im ländlichen Raum“ kommt München mit der Note 3,5 auf Platz 3 bundesweit. Doch nur 42 Prozent der Umfrage-Teilnehmenden sind der Meinung, dass die Nachbarorte ohne Umwege und komfortabel erreichbar seien, nur 32 Prozent fühlen sich auf dem Weg dorthin auch vor Unfällen sicher. 42 Prozent vermissen zudem gute Fahrradabstellanlagen am nächstgelegenen Bahnhof.

Andreas Schön, 1. Vorsitzender des ADFC München: „Beim Radverkehr hat die Stadt große Ziele. Doch die Umsetzung ist enttäuschend. Gebaut wurde von den 59 Radwegen, die rund um den Radentscheid München bereits beschlossen wurden, noch kein einziger und für lediglich drei wurde der Bau beauftragt. Radfahrende radeln also weiter auf Mini-Streifen am Rand von Fußgängerwegen oder mitten im Kfz-Verkehr. Die Menschen wollen gern Rad fahren, aber sie machen auf den Straßen leider oft total frustrierende Erfahrungen. Niemand versteht, warum für die vielen tollen Pläne, die vielfach auch schon öffentlich präsentiert wurden, nicht endlich der Umbau beschlossen wird. Was ist der aktuelle Stand? Die Radfahrenden vermissen hier Transparenz. Das erneut schlechte Abschneiden beim Fahrradklima-Test ist die Quittung für diese Haltung.“

18.000 bei der ADFC-Radsternfahrt
Auch die Zahl von 18.000 Teilnehmenden an der ADFC-Radsternfahrt in München am Sonntag, 23.4., unterstreicht aus Sicht des ADFC den dringenden Wunsch der Menschen nach besseren Radverkehrsbedingungen. Insgesamt 16 Demozüge aus der gesamten Metropolregion und München radelten zum Königsplatz und demonstrierten auf diese Weise für den Radentscheid Bayern, der per Volksbegehren ein Radgesetz und bessere Radwege bayernweit einfordert.

Hintergrund: Rekord mit rund 245.000 Teilnahmen
Der ADFC-Fahrradklima-Test ist die größte Befragung zur Zufriedenheit der Radfahrenden weltweit. Er wird vom Fahrrad-Club ADFC alle zwei Jahre mit Unterstützung des Bundesverkehrsministeriums durchgeführt und fand 2022 zum zehnten Mal statt. Rund 245.000 Radfahrerinnen und Radfahrer haben bei diesem Durchgang abgestimmt. Die Umfrage umfasst 27 Fragen. Bei der aktuellen Befragung wurden außerdem 5 Zusatzfragen zur Fahrrad-Situation im ländlichen Raum gestellt. Die Ergebnisse des Tests haben durch die breite Bürgerbeteiligung hohe Aussagekraft und können Kommunen helfen, das Angebot für Radfahrende gezielt zu verbessern.

 

https://muenchen.adfc.de/artikel/muenchen-faellt-beim-fahrradklima-test-weiter-zurueck

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

  • Was macht der ADFC?

    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 220.000 Mitgliedern, davon über 33.000 in Bayern und rund 9000 in München, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Der ADFC will, dass Deutschland bis 2030 ein attraktives Fahrradland wird, das in allen Städten und Dörfern einladende Rahmenbedingungen zum Radfahren und Qualitätsradwege statt Holperstrecken bietet. Dafür hält der ADFC eine grundlegende Reform des Straßenverkehrsrechts für essenziell.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

    Radfahren muss sicherer und komfortabler werden. Wir nehmen dafür – auch Dank Ihrer Mitgliedschaft – nicht nur Einfluß auf Bundestagsabgeordnete, sondern setzen uns auf Landes- und Kommunalebene für die Interessen von Radfahrern ein. Für Sie hat die ADFC Mitgliedskarte aber nicht nur den Vorteil, dass wir uns für einen sicheren und komfortablen Radverkehr einsetzen: Sie können egal, wo Sie mit Ihrem Fahrrad unterwegs sind, deutschlandweit auf die AFDC-Pannenhilfe zählen. Außerdem erhalten Sie mit unserem zweimonatlich erscheinenden ADFC-Magazin Information rund um alles, was Sie als Radfahrer politisch, technisch und im Alltag bewegt. Zählen können ADFC-Mitglieder außerdem auf besonders vorteilhafte Sonderkonditionen, die wir mit Mietrad- und Carsharing-Anbietern sowie Versicherern und Ökostrom-Anbietern ausgehandelt haben. Sie sind noch kein Mitglied?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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  • Was ist der Unterschied zwischen Pedelecs und E-Bikes?

    Das Angebot an Elektrofahrrädern teilt sich in unterschiedliche Kategorien auf: Es gibt Pedelecs, schnelle Pedelecs und E-Bikes. Pedelecs sind Fahrräder, die durch einen Elektromotor bis 25 km/h unterstützt werden, wenn der Fahrer in die Pedale tritt. Bei Geschwindigkeiten über 25 km/h regelt der Motor runter. Das schnelle Pedelec unterstützt Fahrende beim Treten bis zu einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Damit gilt das S-Pedelec als Kleinkraftrad und für die Benutzung sind ein Versicherungskennzeichen, eine Betriebserlaubnis und eine Fahrerlaubnis der Klasse AM sowie das Tragen eines Helms vorgeschrieben. Ein E-Bike hingegen ist ein Elektro-Mofa, das Radfahrende bis 25 km/h unterstützt, auch wenn diese nicht in die Pedale treten. Für E-Bikes gibt es keine Helmpflicht, aber Versicherungskennzeichen, Betriebserlaubnis und mindestens ein Mofa-Führerschein sind notwendig. E-Bikes spielen am Markt keine große Rolle. Dennoch wird der Begriff E-Bike oft benutzt, obwohl eigentlich Pedelecs gemeint sind – rein rechtlich gibt es große Unterschiede zwischen Pedelecs und E-Bikes.

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  • Gibt es vom ADFC empfohlene Radtouren für meine Reiseplanung?

    Wir können die Frage eindeutig bejahen, wobei wir Ihnen die Auswahl dennoch nicht leicht machen: Der ADFC-Radurlaubsplaner „Deutschland per Rad entdecken“ stellt Ihnen mehr als 165 ausgewählte Radrouten in Deutschland vor. Zusätzlich vergibt der ADFC Sterne für Radrouten. Ähnlich wie bei Hotels sind bis zu fünf Sterne für eine ausgezeichnete Qualität möglich. Durch die Sterne erkennen Sie auf einen Blick mit welcher Güte Sie bei den ADFC-Qualitätsradrouten rechnen können.

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